Die Eidgenossen rüsten auf in Sachen Geothermie
Die Eidgenossen rüsten auf in Sachen Geothermie
Die Schweiz setzt zukünftig nicht mehr auf Atomenergie, sondern will mit einer verstärkten Geothermie-Offensive das Land für die Zukunft rüsten. Das Motto könnte in der Schweiz also lauten: Erdwärme statt AKW, denn in den nächsten Jahren sollen 15 Bohrungen durchgeführt und Erdwärme aus einem zehn Kilometer tiefen Schacht gewonnen werden. Dort herrschen Temperaturen von an die 300 Grad. Große Geothermie-Kraftwerke sind das Ziel der Planer, Ingenieure und Energieversorger – auch die Politik zieht am gleichen Strang.
Peter Seger, Ingenieur und Erdwärme-Spezialist, geht davon aus, dass das geplante Tiefenkraftwerk an die sechs Milliarden Franken kosten würde. Allerdings würde dadurch in der Schweiz eine neue Energiezeitrechnung beginnen, geht der Ingenieur aus. Die kommunalen Stromversorger sehen dies offensichtlich genauso, denn sie sind finanziell in der ersten Projektierungsphase mit dabei.
Allerdings soll es nicht nur bei dem einen Groß-Kraftwerk bleiben. Vielmehr will man in der Schweiz auch auf zusätzliche kleinere Geothermie-Kraftwerke setzen. Allerdings seien hierfür deutlich mehr an finanzielle Mittel nötig als man bislang habe, erklärte Ingenieur Peter Meier, der in den nächsten Jahren 15 Bohrungen für die Stadtkraftwerke plant. Der Planer geht hier allein für die Entwicklung der neuen Kraftwerke von 500-700 Millionen Franken aus. Wenn man diese Größenordnung sieht, kommen die rund eine Million, die der Bund aktuell jährlich investiert eher mager daher.
Allerdings haben die Eidgenossen aus der Vergangenheit gelernt. Denn bei den bisherigen bekannt gewordenen Geothermie-Projekten gab es vor allem Pleiten, Pech und Pannen. Vor zwei Jahren beispielsweise fand in Zürich ein Bauarbeiter kein warmes Wasser im Untergrund. Noch zwei Jahre früher mussten Bohrungen in Basel abgebrochen werden. Der Grund: ein Erdbeben und Schäden am Gebäude. Daher wird natürlich einerseits in der Schweiz selbst, andererseits aber auch in der Geothermie-Branche generell gespannt nach St. Gallen geschaut. Denn 2012 soll dort – im Sittertobel – 4000 Meter in die Tiefe gebohrt werden. Der Bohrplatz wird bereits vorbereitet, damit man im neuen Jahr gleich beginnen könnte. Das bayerische Unterhaching mit seinem Geothermie-Kraftwerk ist in St. Gallen das Vorbild. Denn dort werden seit zwei Jahren 10 000 Haushalte mit Strom und Wärme versorgt.
Da dieses Werk erfolgreich angelaufen ist, wurde ein Boom ausgelöst, in Deutschland sind aktuell zehn solcher Kraftwerke in Bau. In St. Gallen hofft man nun, den gleichen Thermalwasser-Strom anzapfen zu können, der auch die Deutschen mit Energie beliefert.
Von Philipp Weis






